1. Athletik-Club Bayreuth

Der 1. Athletik-Club Bayreuth betreibt Integration für Jugendliche aus Tschetschenien, Afghanistan, Irak, Syrien und Eritrea. Sport verbindet und fördert die Integration. Das Konzept wurde dadurch geboren, dass unser Kampfsport eine Randsportart ist, die nicht gerade von Neuzugängen „überschüttet“ wird. Die Anzahl der hilfesuchenden jungen Asylsuchenden stieg in Bayreuth dagegen ständig an. Wir sind seit Jahren vorbehaltlos bei Hautfarbe, Glaubensrichtung und Nationalität.

Da in östlichen Ländern nicht Fußball, sondern Ringern als Volkssport aktiv betrieben wird, können die Jugendlichen teilweise als Multiplikatoren mit ihren speziellen Kampftechniken einsetzen und beide Seiten profitieren.
Unsere Übungsleiterin Frau Marin Schloßmacher hat über die Albert-Schweitzer-Schule Bayreuth Kontakt zu den überwiegend sich ohne Eltern in Bayreuth befindlichen Jungs aufgebaut. Untergebracht sind die Minderjährigen bei der Jugendhilfeeinrichtung Condrobs in der Himmelkronstraße bzw. in  den Asylunterkünften in der Wilhelm-Busch-Straße und in Eckersdorf bzw. Gefrees.

Auffällig ist, dass die Jugendlichen extrem höflich, stets freundlich und im Training diszipliniert sind. Sie sind sehr leicht zu handhaben und folgen den Anordnungen. Ein Hauptproblem stellt dagegen der Transport zum Training und den Wettkämpfen dar. Natürlich fehlen die Mamis und Papis mit einem eigenen Fahrzeug. Wir fahren deshalb nach dem Abendtraining mit unseren Privat-PKW in die Asylunterkünfte in Bayreuth oder in Eckersdorf bzw. auch nach Gefrees. Es fehlt auch an Sportkleidung und Sportschuhen. An eine Beitragszahlung ist nicht zu denken. All diese Probleme sind finanziell nicht abgesichert und trotzdem löst dies unser kleiner Verein durch Eigeninitiative. Selbst den Verbandsbeitrag an den BLSV übernimmt unser Verein für die Asylbewerber. Die Jugendlichen müssen versichert werden, da sie auch bei offiziellen Wettkämpfen starten. Die durch ihre Fluchterlebnisse aus Kriegsgebieten traumatisierten Jugendlichen finden schnell ein neues sportliches Ziel und werden dadurch zumindest zeitweilig von ihren Sorgen abgelenkt.

Die Jugendliche erhalten von uns die Ringerschuhe, Ringertrikots und Trainingsanzüge. Während deutsche Eltern ihre Kids mit den neuesten Adidas-Trikots ausstatten, müssen unsere Jungs mit teilweise 20 Jahre alten „Schlappertrikots“ auf die Matte. Doch auch hier versuchen wir Zug um Zug bessere Ringertrikots zu kaufen. Hin und wieder passiert es allerdings, dass ein von uns eingekleideter Jugendlicher mit Ringertrikot und Ringerschuhen eine Woche später in München lebt oder aber ausgewiesen wurde.
Abschließend machen wir seit September 2015 eine Kooperation mit dem RSC Marktleugast und starten in der Gruppenliga Nord. Die Jungs gehen dann Samstag für Samstag auf die Matte zwischen September und Dezember. Die Zuschauer beim RSC Marktleugast waren im September 2017 begeistert, als der 19-jährige Malik Sine aus dem Senegal gegen den SC 04 Nürnberg auf die Matte ging. Er kämpfte für die Gastgeber bis zur absoluten Erschöpfung und wurde mit Szenenapplaus belohnt.

Beim Volksfestumzug trug unsere Vereinsfahne ein junger Afghane. Er war begeistert vom Umzug und unserer fränkischen Tradition. Stolz ließ er unsere Fahne vom Marktplatz bis zur Badstraße flattern und führte unseren Verein an. Wir haben auch einen gemeinsamen Besuch am Volksfest realisiert. Unsere begeisterten Jugendlichen vor den Fahrgeschäften des Volksfests. Wir organisieren auch mehrtägige Freizeitaktivitäten in den Pfingst- oder Sommerferien. Dabei ergeben sich intensive Gespräche, die auf beiden Seiten zu mehr Verständnis führen. Besonders großen Einsatz zeigt hier unsere Übungsleiterin und Religionslehrerin Marion Schloßmacher. Sie organisiert auch am Nachmittag zusätzlichen Nachhilfe- und Deutschunterricht für die Jugendgruppe. Ihr Augenmerk ist nicht nur auf den Sport, sondern auch auf die Ausbildung und Lebenspraxis gerichtet. Die Nachhaltigkeit ist damit nicht auf der Vereinsseite, da wir keinen Profisport betreiben, sondern bei den Jugendlichen. Sie lernen bei uns zu lernen. Von der Ringertechnik bis zur Grammatik. Das Leben ist ein ewiger Lernprozess und dies begreifen die jungen Asylanten sehr schnell.

Seit 2015 wäre ein Start ohne diese jungen Männer in der Gruppenliga Nord nicht möglich gewesen. Seit 1890 gibt es in Oberfranken die Traditionssportart Ringen. Wir haben den jungen Männern geholfen und sie haben der WKG Marktleugast-Bayreuth zu einem Start in der Mannschaftsrunde verholfen.

Die Eltern unserer jüngsten Ringer sind alle nicht in Bayreuth geboren. Deren Kids sind jedoch bei uns voll integriert.



Antragssteller*in: 1. Athletik-Club Bayreuth

Anschrift: Meranierring 28, 95445 Bayreuth

Status des Projektes: Laufender Betrieb

Webseite: http://athletik-club-bayreuth.de

Preisgeld:

Sportkleidung für die mittellosen Asylanten

Finanzierung:

Spenden aus dem Verein

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