Nachbarschaftshilfe in Regnitzlosau und Rehau

Die Gemeinde Regnitzlosau liegt im Nordosten Oberfrankens und hat 2458 Einwohner, davon sind 29 % über 60 Jahre alt. Viele Senioren werden von ihren Angehörigen oder der ortsansässigen Diakoniestation versorgt. Dennoch fallen einige Senioren durch das Versorgungsnetz, sie leben allein, erfahren keine Unterstützung von Angehörigen oder verfügen noch nicht über eine Pflegestufe und haben somit keinen Anspruch auf zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Dem Regnitzlosauer Pfarrer,  Holger Winkler, war es Anliegen, sich diesen Menschen zu widmen. Gemeinsam mit Ute Hopperdietzel und Sandra Schnabel, Senioren- und Behindertenbeauftragte, entstand der Ausbau eines ehrenamtlichen Besuchsdienstes.

Die Idee des Nachbarschaftshilfe-Projektes wurde in der Presse und mit Aushängen positioniert. Durch Gespräche und den direkten Austausch wurden gewünschte Betätigungsfelder und Stärken festgehalten. Gleichzeitig meldeten auch Senioren Hilfebedarf an. Es soll kein Senior allein und einsam in seiner Wohnung leben, isoliert und ohne Kontakte. Nachbarschaftshilfe wird in der Gemeinde groß geschrieben, doch gibt es immer wieder Menschen, die zurückgezogen leben und deren Bedürfnisse gar nicht auffallen. Mit einem strukturierten ehrenamtlichen Besuchsdienst soll dem entgegengewirkt werden, damit jeder ältere Mensch in der Gemeinde aufgefangen wird und die Hilfe erhält, die er benötigt. Gelebte Nächstenliebe in Form von Zeit schenken, Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Fürsorge den Mitmenschen in und um Regnitzlosau.

Das Projekt Nachbarschaftshilfe steht noch am Anfang seiner Entwicklung. Es ist bereits ein Netzwerk mit einem Pool an Ehrenamtlichen entstanden, die nach ihren Vorstellungen und Stärken Unterstützung anbieten. Jeder bringt sich zeitlich so ein, wie er es möglich machen kann und will. Es sollen Lücken in der Seniorenarbeit geschlossen werden, die auf kommunaler Ebene und durch die Wohlfahrtsverbände nicht abgedeckt sind. Menschen sollen so viel Vertrauen gewinnen und den Mut finden, dass sie selbstverständlich um Unterstützung bitten und unbürokratisch Hilfen vermittelt bekommen. Die Anerkennungskultur der Ehrenamtlichen soll konzeptionell aufgebaut werden.

Vierteljährliche Treffen werden organisiert, um sich auszutauschen, sich besser kennenzulernen, um von den Einsätzen berichten zu können und um Geselligkeit gemeinsam zu erleben. Ein weiteres Ziel ist der Aufbau der Tafel für bedürftige Menschen. Die Mitarbeiter der Tafel in der Nachbarstadt Rehau haben angeboten, übrige Lebensmittel an Regnitzlosau zu spenden. Da die Schamgröße in einer kleinen Gemeinde hoch ist, wird es eine weitere Aufgabe sein, an bedürftige Menschen heranzukommen. Zwei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen stehen zur Verfügung, um die Lebensmittel an die betroffenen Haushalte zu fahren.

Bisher steht ein Pool an ehrenamtlichen Damen und Herren zur Verfügung, die folgende Dienste anbieten:

  • Besuchsdienst
  • Einkaufsdienst
  • Einkaufsbegleitung
  • Spaziergänge
  • Fahrdienste zum Arzt, zum Friedhof, zum Supermarkt, zu Veranstaltungen
  • Hilfe bei kleinen handwerklichen Verrichtungen, bei Gartenarbeit

Einer der beiden Seniorenbeauftragten klärt mit dem Hilfesuchenden den Bedarf und begleitet dann den Erstbesuch mit dem Ehrenamtlichen. Das Erstgespräch wird mittels Fragebogen dokumentiert. Eine Kopie erhält der Betroffene, eine Kopie der Ehrenamtliche. Nach den ersten Einsätzen erkundigen sich die Seniorenbeauftragten nach der Zufriedenheit, dann läuft der Dienst selbständig weiter. Die Kümmerer stehen aber jederzeit zur Verfügung, falls es Schwierigkeiten geben sollte. Aufgrund einer Befragung der Generation 60+, die die beiden Senioren- und Behindertenbeauftragten gemeinsam mit Bürgermeister Hans-Jürgen Kropf im Sommer 2016 durchführten, entstand der Wunsch nach Trauerbegleitung. Auch dieses Anliegen wurde in Absprache mit Herrn Pfarrer Winkler sofort wahrgenommen. Geschulte ehrenamtliche Mitarbeiter der Diakoniestation und Kirchengemeinde Regnitzlosau bieten Trauergespräche im Einzelgespräch und bei Bedarf in der Gruppe an. Im Gemeindeblatt „Kontakt“ wurde sofort eine Information über das neue Angebot veröffentlicht.

Ein Alleinstellungsmerkmal ist, dass sowohl die berufstätigen Kümmerer als auch die ehrenamtlichen die Dienste kostenfrei, in ihrer Freizeit anbieten. Von Regnitzlosauern für Regnitzlosau.

Die Seniorenbeauftragten kooperieren zudem mit der Familienbeauftragten der Nachbarstadt Rehau, Sandra Hilbig. In einer Gemeinschaftsarbeit wurde vor kurzem das Projekt RE-AKTIV kreiert. RE steht für REHAU und REGNITZLOSAU. AKTIV steht für Aktivitäten, Kontakte, Treffen in Vernetzung. Durch eine Vernetzung und Kooperation können bestehende Angebote bedarfsorientiert zusammengestellt werden und langfristig erhalten bleiben. Durch den Aufbau einer Kommunikationsstruktur der Stadt Rehau und der Gemeinde Regnitzlosau können in gemeinsamer Verantwortung auch neue und bisher fehlende Angebote entwickelt und umgesetzt werden. Synergien werden genutzt und ausgebaut. Durch diese Kooperation arbeiten die Stadt Rehau und die Gemeinde Regnitzlosau präventiv und beugen sozialer Vereinsamung vor.

Die Beteiligung, Unterstützung und Aktivierung älterer Menschen, die Vernetzung von Einzelpersonen und Institutionen kennzeichnen dieses Vorhaben aus. Dieses Konzept soll nicht nur für ältere Menschen, sondern langfristig mit ihnen gemeinsam gestaltet werden. Ziele sind: Angebot eines gemeinsamen statt einsamen Leben für Senioren aus Rehau und Regnitzlosau. Vernetzung schaffen im Bereich Veranstaltungen, Kommunikation, Besichtigungen und Seniorenbildung. Ausbau eines breit gefächerten Freizeitangebotes im synergetischen Effekt zwischen Rehau und Regnitzlosau. Wohlbefinden für Senioren und Erweiterung des Blickwinkels über die Ortsgrenzen hinaus.



Antragssteller*in: ev. Pfarramt Regnitzlosau in Zusammenarbeit mit den Senioren- und Behindertenbeauftragten Regnitzlosau

Anschrift: Schulstr. 3, 95194 Regnitzlosau

Status des Projektes: Wachstumsphase

Webseite: http://www.gemeinde-regnitzlosau.de

Preisgeld:

Da das Projekt am Anfang seiner Entwicklung steht, würde uns ein Preisgeld helfen, das Projekt voranzubringen. Gelder würden zum Beispiel für eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit benötigt werden, für Ausflüge, Veranstaltungen mit den Senioren und/oder den Ehrenamtlichen, für die Anschaffung eines barrierefreien Busses, für die Pflege der Anerkennungskultur der Ehrenamtlichen.

Vier vernetzte Veranstaltungen wurden 2016 durchgeführt. Sportgruppen aus Rehau und Regnitzlosau trafen sich zur gemeinsamen Sportstunde und gemeinsamer Einkehr. Ein gemeinsamer ökumenischer Seniorennachmittag wurde in Regnitzlosau ausgerichtet. Die vierte Veranstaltung war eine gemeinsame Seniorenwanderung sein mit Bauernhof-Besichtigung und anschließender Einkehr. Auch für dieses Vernetzungsprojekt wurden Ehrenamtliche im Einsatz benötigt, die sich um die Senioren kümmern, Fahrdienste leisten, auf- und abbauen, Speisen beisteuern.

Dazu bedarf es auch Gelder für Bewirtung, Benzin, Fahrkarten, etc.!

Finanzierung:

Finanzielle Förderungen stehen bisher nicht zur Verfügung. Bisher erhalten die Ehrenamtlichen Geburtstagskarten der Kirchengemeinde.

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